Buchbesprechung aus HMD-Heft 274 (Green Computing & Sustainability; Herausgeber: Jorge Marx Gómez, Susanne Strahringer, Frank Teuteberg)
Burkhardt Funk, Jorge Marx Gómez, Peter Niemeyer, Frank Teuteberg
Geschäftsprozessintegration mit SAP – Fallstudien zur Steuerung von
Wertschöpfungsprozessen entlang der Supply Chain
Springer Verlag, 2010
ISBN: 978-3-642-12720-5, 263 S., EUR 29,95
Das vorliegende Werk positioniert sich als Lehrbuch und ist auch in erster Linie als solches zu betrachten, wenngleich auch der eine oder andere Praktiker, der sich schnell in die behandelten SAPTechnologien einarbeiten möchte, mit diesem Buch eine hilfreiche Technologieeinführung erhält. Die drei integrierten Fallstudien am Ende adressieren allerdings eindeutig eine Lehrsituation im Hochschulumfeld.
Auch wenn der Titel des Werkes den Bezug zum Schwerpunktthema des vorliegenden HMD-Heftes “Green Computing & Sustainability” nicht verrät, so ist er dennoch gegeben. Hieraus kann eine weitere Zielgruppe abgeleitet werden, nämlich Praktiker, die sich dafür interessieren, wie Umweltwirkungen in betrieblichen Informationssystemen abgebildet werden können. Die behandelten Fallbeispiele am Ende des Buches sind in genau dieser Domäne angesiedelt und zeigen in drei Ausbaustufen, wie die Integration von Systemen in der Supply Chain erfolgen kann, so dass es einem betrachteten fokalen Unternehmen möglich wird, den Carbon Footprint seiner Produkte, d.h. die Gesamtheit der CO2-Emmissionen, die diesem Produkt entlang seines Lebenszyklus zugerechnet werden können, auszuweisen. Es handelt sich also um ein aktuelles und zudem didaktisch geschickt gewähltes Integrationsszenario, das zudem auch Hintergründe zum Thema Green Computing vermittelt.
Nun zum Aufbau des Werkes im Detail: Es ist in 9 Kapitel gegliedert, wobei das erste Kapitel (4 S.) noch nicht inhaltlich besetzt ist, sondern darstellt, an wen sich das Buch richtet, wie es verwendet werden kann und auf welchem didaktischen Konzept es basiert. Eine inhaltliche Einführung folgt in Kapitel 2 (47 S.) und zwar allgemein in das Themengebiet Geschäftsprozessmanagement. Dies ist das einzige inhaltliche Kapitel des Buches, das sich nicht an SAP-Technologien orientiert, sondern eine lehrbuchartige, wenn auch sehr knappe Grundlegung der im Prozessmanagement relevanten Begriffe, Vorgehensweisen und Sprachen vornimmt. Dieser Teil kann sicherlich ein vollwertiges Lehrbuch zum Geschäftsprozessmanagement (GPM) nicht ersetzen, soll es aber auch nicht, denn Lehrbücher zum GPM im Allgemeinen gibt es etliche. Vielmehr geht es darum eine gemeinsame
Basis für die nun folgenden, auf SAP-Technologien ausgerichteten Kapitel zu schaffen. Kapitel 3 (32 S.) widmet sich ausführlich dem Thema Workflow-Technologien in einem SAP-Umfeld und stellt somit eine Einführung in SAP Business Workflow dar. Kapitel 4 (19 S.) widmet sich Enterprise-Application-Integration-Technologien und führt in SAP PI (Process Integration) ein.
Mit Kapitel 5 (7. S.) beginnt der Fallstudienteil des Werkes. Das Kapitel schildert den notwendigen fachlichen Hintergrund zur produktorientierten Ökobilanzierung und zeigt auch den Zusammenhang zwischen den folgenden drei Fallstudien auf. Es geht jedes Mal darum, dass es Kunden des betrachteten Unternehmens ermöglicht werden soll via Webservice den Carbon Footprint einzelner Produkte abzufragen. Im ersten Fallbeispiel (Kapitel 6, 31 S., Schwerpunkt: Serviceorientierte Integration) wird davon ausgegangen, dass die notwendigen Informationen im internen SAP-System vorhanden sind, jedoch mittels SAP PI eine Anbindung an den kundenseitig aufrufbaren Webservice erfolgen muss. In der zweiten Fallstudie (Kapitel 7, 49 S., Schwerpunkt Geschäftsprozessautomatisierung) ist das Integrationsszenario komplexer, zur Berechnung des Carbon Footprints muss zum einen ein intern betriebenes BUIS (betriebliches Umweltinformationssystem) mit eingebunden werden sowie zum anderen für Vorprodukte Webservices von Lieferanten. Die dritte Fallstudie (Kapitel 9, 54 S., Schwerpunkt Benutzerinteraktion) widmet sich der Fragestellung, wie zu verfahren ist, wenn die notwendigen Informationen nicht vollständig automatisiert ermittelt werden können. Für solche Fälle soll ein Workflow entwickelt werden, der Experten dazu auffordert, Umweltwirkungen von Produkten nach anderen nicht vollständig automatisierten Verfahren abzuschätzen.
Die Autoren haben zur Entwicklung der Fallstudien ein SAP-System in der Version ECC 6.0 und SAP Netweaver PI im Release 7.1 eingesetzt. Entsprechende Systeme werden in Deutschland von den beiden SAP University Alliance (UA) University Competence Centern (UCC) angeboten und können daher von Universitäten mit relativ niedrigem Einstiegsaufwand genutzt werden. Die Fallstudien bauen aufeinander auf, so dass die erarbeiteten Ergebnisse in den darauffolgenden Fällen wiederverwendet
werden können und sollten. Notwendige Webservices etc. basieren auf Java-Technologie und sind im Quellcode verfügbar. Lehrende können diese Services selbst betreiben oder aber auch einen universitätsseitig von den Autoren öffentlich zugänglichen Webservice benutzen.
Die Fallstudien selbst sind im Stile der den meisten im SAP-Umfeld lehrenden Hochschuldozenten vertrauten UCC-Fallstudien recht präskriptiv, wenngleich sie erfreulicherweise keine “Klick-Anleitungen” darstellen und in angemessenem Umfang mit Screenshots versehen sind. Kapitel 9 (11 S.) schließt das Buch mit einem Ausblick zu Erweiterungsmöglichkeiten der Fallstudien, zum Themenfeld Geschäftsprozessintegration und zum fachlichen Thema der Abbildung von Umweltwirkungen in Informationssystemen ab.
Insgesamt ist das Werk als sehr gelungen zu bezeichnen. Es ist explizit als Lehrbuch aufbereitet: Es verfügt über kapitelweise angegebene Lernziele, Kontrollfragen, Literaturangaben, eingestreute Praxisbeispiele und folgt einem didaktischen Konzept. Wie daraus eine konkrete Lehrveranstaltung abgeleitet werden kann, wird Lehrenden als Lesern gut vermittelt, lässt aber genügend Freiräume, um andere Lehrveranstaltungsformate zu wählen. Was die Lernenden angeht, hätte man diesen gerade in den technologielastigen Kapiteln das eine oder andere Thema zunächst losgelöst von SAP-Technologie näherbringen können, bevor man die konkrete Umsetzung in SAP-Technologie vorstellt. Dies gelingt bisweilen durch das Grundlagenkapitel und kleinere Einführungen in den Technologiekapiteln (z.B. zum Thema Workflow allgemein). Im Kapitel Process Integration fehlen Studierenden vermutlich einige Middleware-Grundlagen, die sie mitbringen bzw. die ihnen begleitend vermittelt werden sollten. Letztlich muss man aber relativierend eingestehen, dass ein Buch wie das vorliegende nicht vollumfänglich in die notwendigen technischen Grundlagen einführen kann. Zur begleitenden Website (www.sap-bpi.de) ist zu sagen, dass sie von Lehrenden unbedingt beachtet
werden sollte. Zu jedem Kapitel finden sich dort Begleitmaterialien in Form von Linksammlungen sowie die Abbildungen des Buches zum Download. Bei den Fallstudien werden zudem Programmlistings bereitgestellt.
Für alle, die in einem SAP-Umfeld Integrationstechnologien lehren und lernen wollen, ist das Buch aufgrund des sehr guten Inhalts ausgesprochen empfehlenswert.
Prof. Dr. Susanne Strahringer
Technische Universität Dresden
Wirtschaftsinformatik
01062 Dresden
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